Reliance Jio kündigt Plan für eigenes LEO-Satelliten-Konstellationssystem an, tritt gegen Starlink an – rund 1.600 Satelliten in 650 km Höhe geplant

Der Vorstandsvorsitzende von Jio Platforms, Akash Ambani, gab am 19. Juni auf der 49. Jahreshauptversammlung von Reliance Industries bekannt, dass Jio die Entwicklung eines eigenen Satellitenkonstellationsprojekts im Low Earth Orbit (LEO) prüft. Ziel ist der Aufbau einer souveränen Kommunikationsfähigkeit, um ländliche Gebiete, Inseln und Grenzregionen abzudecken, die über terrestrische Netze nicht erreichbar sind. Laut einem früheren Bericht der Economic Times plant Jio den Start von rund 1.600 Satelliten in einer Höhe von etwa 650 Kilometern. Der Plan wird bereits von der indischen nationalen Raumfahrtförderungs- und -ermächtigungsbehörde (IN-SPACe) bewertet. Akash Ambani machte zudem bekannt, dass das Unternehmen parallel eine Übergangsstrategie mit dem Titel „Anmietung von Satellitenkapazitäten globaler Betreiber“ vorantreibe, um die Dienstverfügbarkeit vorzeitig zu beschleunigen und gleichzeitig langfristig eine eigene Konstellation aufzubauen. Jio kündigte außerdem an, die Einführung eines strategischen Weges für die Beteiligung von Aktionären zu prüfen, was von Beobachtern als Vorbereitung auf einen Börsengang gewertet wird.

Diese strategische Wende hat einen tiefgreifenden Hintergrund. Obwohl Starlink Anfang Juni von der indischen Telekommunikationsbehörde eine kommerzielle Betriebsgenehmigung erhalten hat, muss das Unternehmen noch Sicherheitstests bestehen und die Lokalisierungsanforderungen erfüllen; ein umfassender kommerzieller Betrieb steht noch aus. Der Fall, in dem Starlink während des Russland-Ukraine-Krieges den Zugang aus der Ferne abgeschaltet hat, hat die indische Regierung dazu veranlasst, den Aufbau einer souveränen Kommunikationsebene als nationale Sicherheitserwägung einzustufen. Auch die vorherige politische Haltung von Jio ist bemerkenswert: Im Jahr 2024 hat das Unternehmen bei der TRAI Lobbyarbeit betrieben, um Satellitenspektrum über eine Versteigerung (anstatt einer administrativen Zuteilung) zu vergeben, um die Eintrittskosten für ausländische Betreiber wie Starlink zu erhöhen. Dies wurde später von der Regierung abgelehnt. Im März 2025 schloss Jio stattdessen eine Einzelhandelsvereinbarung mit SpaceX über Starlink-Geräte und machte aus Feinden Freunde. Die heutige Ankündigung des Aufbaus einer eigenen Konstellation bedeutet, dass Jio sich letztlich dafür entschieden hat, Starlink und Amazons Kuiper als vollwertiger Wettbewerber und nicht als Vertriebspartner gegenüberzutreten.

Bloomberg