Laut einem Bericht des Wall Street Journal vom 28. Mai verlagern immer mehr chinesische Hersteller angesichts des doppelten Drucks durch steigende Zölle westlicher Länder und schwacher Inlandsnachfrage ihre gesamte Produktionskapazität ins Ausland. Sie bauen in Osteuropa, Südamerika und Nordamerika eigene oder gemeinsame Fabriken, deren Produkte ein breites Spektrum abdecken – von Haushaltsgeräten über Autos und Batterien bis hin zu Stahl. Konkrete Beispiele sind: Das spanische Traditionsunternehmen Ebro hat seine Fabrik in Barcelona nach chinesischer Investition wieder in Betrieb genommen; mehrere chinesische Weißwarenhersteller haben Produktionsstätten in Osteuropa errichtet, um EU-Zölle zu umgehen; und Elektroauto-Hersteller wie BYD und Chery beschleunigen den Bau von Werken in Brasilien, Ungarn und Thailand. Trump und Xi haben Anfang des Monats die Einrichtung eines bilateralen „Investitionsrates“ vereinbart, was als Signal für eine mögliche Zunahme direkter chinesischer Investitionen in den USA gewertet wird; einige Analysten erwarten, dass die Diskussionen über Fabrikbauten in den USA dadurch an Fahrt gewinnen.
Gleichzeitig wachsen in den Gastgeberländern die Sorgen. Ein Bericht der Bruegel-Denkfabrik vom Januar dieses Jahres zeigt, dass die EU-Importe aus China zwischen 2019 und 2025 um über 40 % gestiegen sind. Dies spiegelt das systemische Merkmal der chinesischen Unternehmen wider, ihre Kapazitäten unter dem Druck der sich ständig verengenden Inlandsgewinne und der sprunghaft ansteigenden Zahl defizitärer Betriebe – ein Phänomen des „Involution“ – durch extreme Kostenkontrolle auf Überseemärkte zu drücken. Sowohl die Gastgeberregierungen als auch die einheimischen Hersteller befürchten allgemein, dass chinesische Unternehmen ihr inländisches Modell des Preiskampfs („Neijuan“) vor Ort reproduzieren, die Gewinnmargen drücken und die heimischen Arbeitsplätze gefährden. Eine vom Europäischen Parlament im März in Auftrag gegebene Studie stuft dieses Phänomen inzwischen als strukturelles Handelsrisiko ein und fordert die EU zu einer speziellen Industrieschutzpolitik auf; einige Schwellenländer beginnen ebenfalls, den Industrienationen zu folgen und Anti-Dumping-Untersuchungen oder Zollerhöhungen gegen bestimmte chinesische Fertigungsprodukte einzuleiten.