JD.com-Gründer Liu Qiangdong verspricht, 900.000 Mitarbeiter vor KI und Automatisierung zu schützen – wenige Tage nachdem chinesische Gerichte Entlassungen aus KI-Gründen verboten hatten

Laut Bloomberg, das ein auf chinesischen Social-Media-Plattformen kursierendes Video der Rede zitiert, versprach Liu Qiangdong, Gründer von JD.com, in einer internen Ansprache am Mittwoch, die rund 900.000 Beschäftigten des E-Commerce-Konzerns vor Arbeitsplatzverlusten durch KI und Robotik zu schützen. Liu erklärte, das Unternehmen werde „alles in seiner Macht Stehende tun, um die Arbeitsplätze von Hunderttausenden Mitarbeitern – auch jenen aus der Arbeiterklasse – zu sichern“. Diesen Schritt bezeichnete er als aktive Führungsaufgabe statt als rein reaktive Maßnahme. Die Zusage erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem in China große Sensibilität hinsichtlich der Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt herrscht: Chinesische Gerichte haben in der ersten Hälfte 2026 mindestens zweimal entschieden, dass Firmen Arbeitnehmer nicht allein deswegen entlassen dürfen, weil KI dieselben Aufgaben übernehmen kann. Zudem hat Peking Anfang dieses Jahres gesetzliche Schutzmaßnahmen für mehr als 200 Millionen Plattformarbeiter eingeführt; ab 2027 gelten verbindliche Vorgaben zur Transparenz von Algorithmen. Als einer der größten Arbeitgeber Chinas trägt JD.com im Falle des Verdachts, Automatisierung zum Abbau von Arbeitsplätzen zu nutzen, strukturell höhere politische Risiken.

Dennoch steht dieses Versprechen in offensichtlichem Widerspruch zu früheren Äußerungen Liu Qiangdongs sowie zur strategischen Ausrichtung von JD.com. Auf der Weltkonferenz für das Internet 2025 hatte Liu argumentiert, die bevorstehende „Ära der Unbemannten Systeme“ könnte den Bedarf an menschlicher Arbeitskraft auf lediglich eine Stunde pro Woche reduzieren; außerdem plädierte er für eine 90-prozentige Abgabe auf Technologiemonopole zur Finanzierung eines entsprechenden Sozialpakts. Inzwischen setzt JD.com autonome Lagertechnik, Roboter für die letzte Meile der Lieferkette sowie KI-gestützte Kundenservice-Systeme massiv ein und investierte im vergangenen Jahr in zahlreiche Start-ups im Bereich Robotik und körpernahe Intelligenz. Wie The Next Web feststellt, wirkt Liu Qiangdongs Rede weniger wie ein strategischer Richtungswechsel, sondern vielmehr wie ein politisch geschickt formuliertes Signal an Mitarbeiter, Regulatoren und Entscheidungsträger – ein Signal, das sich große Arbeitgeber in China angesichts ihrer Automatisierungspläne nun kaum ersparen können.

Bloomberg | The Next Web