Der NBA-Kommissar Adam Silver gab am 27. Mai bekannt, dass die Liga „ziemlich bald“ auf ein von KI gesteuertes System umsteigen werde, das Kameras rund um das Spielfeld nutzt, um bei Abseitsentscheidungen festzustellen, welches Team den Ball zuletzt berührt hat – wodurch diese Entscheidungen vollständig aus der Zuständigkeit der Schiedsrichter entfallen. In der Sendung „The Pat McAfee Show“ auf ESPN erklärte Silver, das System werde ähnlich wie Hawk-Eye funktionieren – jene elektronische Linientechnologie, die im Profi-Tennis eingesetzt wird – und nannte zudem das neue automatisierte Challenge-System der MLB als vergleichbares Vorbild. Die Ankündigung erfolgte einen Tag nach einer umstrittenen Entscheidung im fünften Spiel der Western Conference Finals zwischen den Oklahoma City Thunder und den San Antonio Spurs: Victor Wembanyama wurde damals als letzter Ballberührender gewertet, obwohl die Wiederholung eindeutig zeigte, dass der Ball vom Fuß des Thunder-Spielers Chet Holmgren abprallte; nach Beratung blieb die Entscheidung bestehen, und Spurs-Trainer Mitch Johnson erhielt eine technische Foulelfe, weil er ein Challenge-Recht einforderte, das sein Team gar nicht besaß. Damit führten die Thunder mit 3:2 in der Serie. Silver betonte, er wolle solche Entscheidungen künftig augenblicklich und automatisch treffen lassen – sobald das System aktiviert sei, bräuchten Teams kein Challenge-Recht mehr für solche Fälle einzusetzen.
Gleichzeitig zog Silver klare Grenzen für die Automatisierung: Schiedsrichter würden weiterhin unverzichtbar bleiben, wenn es um körperliche Kontakte und Fouls gehe – Entscheidungen, bei denen es auf Grad der Beeinträchtigung sowie Absicht ankomme und die laut Silver zwangsläufig subjektiv seien sowie sich nicht allein durch Kameras beurteilen ließen. Zuvor hatte die NBA bereits eine Partnerschaft mit Hawk-Eye Innovations von Sony für Tracking-Technologien bekanntgegeben, sodass eine Grundinfrastruktur zur Verfügung steht. Ein konkreter Zeitplan wurde nicht genannt; doch Silvers Formulierung „ziemlich bald“ deutet auf eine Einführung innerhalb der nächsten ein bis zwei Saisons hin. Nach aktuellen Regeln startet jedes Team ein Spiel mit einem einzigen Coach’s Challenge – ein zweites wird nur gewährt, falls das erste erfolgreich war; dadurch stellt die Nutzung eines solchen Rechts für Abseitsentscheidungen einen erheblichen strategischen Verlust dar.