Cook im WSJ-Exklusivinterview: Apple wird wegen Speicherknappheit die Preise erhöhen, nennt es „Jahrhunderthochwasser“

Apple-CEO Tim Cook sagte in einem exklusiven Interview mit dem Wall Street Journal, dass Apple aufgrund der stark gestiegenen Nachfrage von KI-Unternehmen nach DRAM- und NAND-Chips, die zu einem massiven Anstieg der Speicher- und Storage-Kosten geführt hat, eine Erhöhung der Produktpreise plane – „Preiserhöhungen sind unvermeidlich“. Cook machte keine Angaben zum Zeitpunkt, zum Umfang oder zu den betroffenen Produktlinien, doch die Preiserhöhungen könnten bereits vor der Vorstellung der iPhone-18-Serie im September kommen, wobei Mac und iPad den ersten Preisdruck zu spüren bekämen; bereits im Vormonat hatte Apple den Einstiegspreis des Mac mini angehoben. TechInsights schätzt, dass der Preis des nächsten iPhone Pro um etwa 270 Dollar steigen könnte, wenn die gesamten Mehrkosten an die Verbraucher weitergegeben würden. Morgan Stanley prognostiziert, dass die Preise für Smartphones und PCs in den USA in diesem Jahr insgesamt um etwa 15 % steigen werden. Cook äußerte sich zudem ungewöhnlich deutlich zur Lieferkettenlandschaft und sagte, angesichts der explodierenden Speicher- und Storage-Preise sei Apple bereit, „alle Versorgungsquellen zu prüfen“, darunter auch chinesische Lieferanten, wobei die Zusammenarbeit mit letzteren den US-amerikanischen Sicherheitsgesetzen für nationale Sicherheit entsprechen müsse und möglicherweise eine Genehmigung erforderlich sei.

Cook beschrieb den aktuellen Speichermarkt als eine „Jahrhundertflut“ und sagte, er habe in seiner über 40-jährigen Karriere in der Lieferkette noch nie eine derartige Preisvolatilität bei Rohstoffen erlebt. Der Grund dafür: Immer mehr DRAM-Produktionskapazitäten werden auf High-Bandwidth-Speicher verlagert, der für KI-Server benötigt wird. Die Aktienkurse und Gewinne von Samsung, SK Hynix und Micron sind in den letzten 12 Monaten explosionsartig gestiegen, Micron und SK Hynix verzeichneten Zuwächse von über 800 %, Kioxia und SanDisk sogar von bis zu 4.600 %. Apple, das in der Vergangenheit stets aufgrund seiner Einkaufsmacht die Gewinnmargen der Lieferanten drückte, muss nun mit den KI-Hyperscalern um Chip-Kontingente konkurrieren. Cook sagte, Apple sei bereit, seine Bilanz einzusetzen, um das Versorgungsproblem zu lösen, schloss aber die Möglichkeit aus, eigene Speicher- und Storage-Chip-Fabriken zu bauen – „Wir können nicht alles machen; wir wissen, was wir gut können“ – ein deutlicher Kontrast zu der aggressiven Strategie von KI-Unternehmen wie Nvidia und Google, die mit mehrjährigen Vorauszahlungen langfristige Lieferverträge abschließen.

Wall Street Journal | Phoenix New Media Technology