Die von der US-amerikanischen Federal Trade Commission (FTC) gegen Microsoft eingeleitete Kartelluntersuchung hat sich nun auch auf die Art und Weise ausgeweitet, wie das Unternehmen seinen Copilot-KI-Assistenten in Microsoft 365 und GitHub verkauft. Laut einem Bericht von The Verge vom 2. Juni sammeln die Ermittler Informationen zu Microsofts Geschäftsabkommen, Lizenzvereinbarungen und zur Interoperabilität der einzelnen Produkte. Die Ende 2024 gestartete Untersuchung hat sich von ersten Erkundigungen zu einer formellen Untersuchung mit verbindlichen Offenlegungspflichten entwickelt. Die FTC hat sowohl an Microsoft als auch an mindestens acht Wettbewerber – darunter AWS, Google Cloud und Salesforce – zivilrechtliche Ermittlungsanordnungen erlassen. Gefordert werden interne Dokumente zur Gebührenstruktur von Azure-Lizenzen, zur technischen Integration der KI-Modelle in Windows 11 und Office 365 sowie dazu, wie Microsoft durch die Bündelung von Sicherheitssoftware, Windows und Office-Produkten die Nutzer im Azure-Ökosystem hält. Der Kernvorwurf lautet, dass Microsoft seine marktbeherrschende Stellung auf dem Markt für Unternehmensproduktivitätssoftware nutzt, um Unternehmen durch wirtschaftliche oder technische Hürden daran zu hindern, konkurrierende Cloud-Plattformen zu wählen, was gegen den Federal Trade Commission Act verstoßen könnte.
Diese neueste Ausweitung des Untersuchungsumfangs ist auf eine Reihe formeller Beschwerden europäischer Cloud-Anbieter und US-amerikanischer Softwarehersteller zurückzuführen. Diese Unternehmen werfen Microsoft vor, Unternehmen, die ihre Workloads aus Azure abziehen wollen, eine faktische „Austrittssteuer“ aufzuerlegen. Marc Benioff, Co-CEO von Salesforce, erklärte während der Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnissen des vierten Quartals 2026 konkret, dass Unternehmenskunden berichteten, Microsoft knüpfe die Verlängerung von Enterprise Agreements an den gebündelten Erwerb von Copilot. „Das ist kein Wettbewerb, das ist Nötigung“, so Benioff, und Salesforce habe hierzu bereits eine Stellungnahme bei der FTC eingereicht. Die FTC prüft zudem die strategische Partnerschaft zwischen Microsoft und OpenAI: Microsoft hat über 13 Milliarden US-Dollar in OpenAI investiert, hält die Exklusivrechte an dessen Flaggschiff-Modellen und hostet über Azure exklusiv sämtliche Rechenleistungs-Workloads von OpenAI. Die Ermittler sehen darin eine mögliche Benachteiligung konkurrierender Cloud-Dienstanbieter beim Zugang zu den besten KI-Modellen. Wie eingeweihte Kreise berichten, könnte die FTC bereits Mitte 2026 eine formelle Beschwerde einreichen. Sollte diese Erfolg haben, könnten als Abhilfemaßnahmen unter anderem die Entbündelung von Copilot aus Microsoft 365, ein Verbot exklusiver Vorteile für Azure in Windows sowie die Verpflichtung zu transparenten, für alle Cloud-Anbieter einsehbaren Lizenzregeln in Betracht gezogen werden.