ESA-Satelliten kartieren Umkehr der Strömung des äußeren Erdkerns unter dem Pazifik — Westdrift seit über 9.000 Jahren schlagartig nach Osten umgekippt

Eine im Journal of Studies of Earth’s Deep Interior veröffentlichte peer-reviewte Studie hat anhand von 28 Jahren Magnetfelddaten von ESA-Satelliten und Bodenobservatorien (1997–2025) eine dramatische Umkehr der Strömung von flüssigem Eisen an der Oberfläche des äußeren Erdkerns unter dem Pazifischen Ozean kartiert. Die von Frederik Dahl Madsen und Kollegen der Universität Edinburgh geleitete Analyse ergab, dass die Strömung in der äquatorialen Pazifikregion – die seit mindestens 9.000 Jahren schwach westwärts driftete – sich um 2010 abrupt änderte und nun mit Geschwindigkeiten von bis zu 20 Kilometern pro Jahr stark ostwärts fließt. Durch die Anwendung der Hauptkomponentenanalyse auf Beobachtungen der säkularen Variation (SV) konnte das Team diese pazifische Anomalie von der breiteren planetaren Westwärtsströmung unterscheiden, die das Verhalten des äußeren Kerns in anderen Breitengraden dominiert. Die neue ostwärtige Strömung hat sich seit etwa 2020 abgeschwächt.

Der Zeitpunkt ist bedeutsam: Die Umkehr von 2010 fällt mit unabhängig bestätigten Veränderungen im festen inneren Erdkern zusammen, dessen Rotation laut separaten geodätischen und seismologischen Studien etwa im gleichen Zeitraum langsamer wurde. Das Edinburgh-Team vermutet, dass Störungen, die tiefer im Planeten entstehen, nach außen gewirkt haben könnten, um die Strömung des flüssigen Eisens unter dem Pazifik zu verändern. Die Studie stellt die Annahme in Frage, die Dynamik des äußeren Kerns sei vergleichsweise stabil, und liefert neue Randbedingungen für die turbulenten Prozesse, die das Erdmagnetfeld erzeugen – dessen säkulare Variation grundlegend für Satellitennavigation, Kompasskalibrierung und langfristige Klimamodellierung ist. Die Forscher betonen, dass dies die erste hochauflösende Kartierung des genauen Zeitpunkts und der Stärke der Umkehr ist.

jSEDI (Originalarbeit) | ScienceAlert