Studie: Zentralasiatische Gletscher verloren 2025 insgesamt 30 km³ Eis – das schlimmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen

Eine neue internationale Studie unter der Leitung des Glaziologen Lander Van Tricht von der Vrije Universiteit Brussel und der ETH Zürich ergab, dass die Gletscher Zentralasiens im Jahr 2025 etwa 30 km³ Eis verloren – das entspricht fast 2 % des gesamten noch verbleibenden Gletschervolumens der Region sowie rund 30 % des heutigen Eises in den Alpen. Die am 21. Mai in „Environmental Research Letters“ veröffentlichten Ergebnisse basieren auf Feldforschungen an 16 Gletschern im Tianshan- und Pamir-Gebirge sowie auf regionalen Modellrechnungen; dabei zeigte sich, dass neun dieser Gletscher ihr bisher negativstes Massenbilanzergebnis erzielten, während 64 % aller Gletscher der Region ihr schlechtestes Jahr seit mindestens 1991 verzeichneten. Auslöser waren anhaltend warme Temperaturen vom Frühling bis zum Spätsommer sowie ein deutlicher Rückgang der Schneefälle in der Schmelzphase – dadurch kam dunkleres, nacktes Eis früher als üblich zum Vorschein, wodurch die Schnee-Eis-Albedo-Rückkopplung die Schmelzrate weiter erhöhte.

Van Tricht bezeichnete das Jahr 2025 als „außergewöhnlich“, weil nahezu die gesamte Region gleichzeitig extreme Verluste verzeichnete; besonders betroffen waren der westliche Pamir und der westliche Tianshan: Dort verloren einige Gletscher innerhalb eines Jahres zwischen 2 % und 4 % ihres Gesamteises. Die Forscher ordnen dieses Ereignis in ein größeres Muster ein – zuvor gab es ähnliche Rekordverluste in den Alpen und Pyrenäen im Jahr 2022, im westlichen Nordamerika 2023 sowie in Spitzbergen 2024 – und warnen, dass solche Bedingungen zunehmend zur Norm werden könnten, da die Erwärmung nicht nur die Eismassen, sondern auch die Häufigkeit schützender Sommerschneefälle reduziert. Die Bedeutung dieser Entwicklung ist enorm: Die Gletscher Zentralasiens stellen die Hauptwasserquelle für die Landwirtschaft, die Wasserkraftnutzung und die Trinkwasserversorgung in Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan und Kasachstan während der Trockenzeit dar; ihr langfristiger Rückgang trägt bereits heute zu wiederkehrenden Konflikten um Wasserverteilung in der Region bei. Die Studie erschien im internationalen „Jahr der Gletschererhaltung“, das von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde.

Vrije Universiteit Brussel