Das US-Handelsministerium veröffentlichte am 31. Mai (Sonntag) überraschend eine Richtlinie auf seiner Website, die klarstellt, dass für den Export von Spitzen-KI-Chips wie Nvidia Rubin, Blackwell-Prozessoren und AMD MI350x an Unternehmen mit Hauptsitz in China – unabhängig davon, in welchem Land diese Einrichtung tatsächlich ansässig ist – eine Exportlizenz beantragt werden muss. Mit diesem Schritt soll eine seit etwa einem Jahr bestehende Regelungslücke geschlossen werden: Im Mai 2025 setzte die Trump-Regierung die am Ende der Biden-Ära erlassene „KI-Verbreitungsregel“ (AI Diffusion Rule) aus, die ursprünglich den Zugang zu fortschrittlichen KI-Chips weltweit beschränken sollte. Die Aussetzung öffnete unbeabsichtigt eine Hintertür für chinesische Unternehmen, die Tochtergesellschaften in Drittländern wie Malaysia betreiben. Auslöser für die Veröffentlichung der Richtlinie war ein anonymes Dokument, das am Freitag in politischen Kreisen Washingtons die Runde machte und in dem es unverblümt hieß: „Das Tor hat sich leise geöffnet.“
Insider der Lieferkette schätzen, dass im vergangenen Jahr über dieses Schlupfloch „zig Millionen Chips“ abgeflossen sein dürften. Chris McGuire, Senior Fellow für China-Fragen beim Council on Foreign Relations und ehemaliger Beamter des Außenministeriums, bezeichnete dies in einem Beitrag als „ernstes Problem“ und wies darauf hin, dass „chinesische Unternehmen diese Chips wahrscheinlich in großem Umfang gekauft haben“. McGuire warnte zudem, dass die neue Richtlinie zwar das bekannte Schlupfloch schließe, eine weitere Lücke aber weiterhin bestehe – die wieder eingeführte Anforderung an Auftragsfertiger wie TSMC, zusätzliche Due-Diligence-Prüfungen bei potenziellen chinesischen Briefkastenfirmen durchzuführen, sei nicht wiederhergestellt worden. Dies bedeute, dass der Weg für chinesische Frontfirmen, über Auftragsfertiger Bestellungen aufzugeben, weiterhin nicht verschärft sei. Das Handelsministerium lehnte eine Stellungnahme zu der Angelegenheit ab; Nvidia und AMD reagierten nicht sofort.
Reuters | Lianhe Zaobao | CNBC