Analysten von Morgan Stanley wiesen in einem Forschungsbericht vom 28. Mai darauf hin, dass die beschleunigte Verbreitung von KI die europäische Bankenbranche dazu bewegen könnte, in den nächsten fünf Jahren 10 % bis 20 % ihrer Belegschaft abzubauen. Dies entspräche einem Höchstwert von über 400.000 Stellen und würde die im Januar dieses Jahres von der Bank prognostizierten rund 200.000 Stellen verdoppeln. Wie Analysten um Giulia Miotto in dem Bericht darlegen, hat die Einführung von KI und digitalen Werkzeugen die Produktivität im Bankensektor bereits allgemein um 30 % gesteigert. Die am stärksten betroffenen Positionen konzentrieren sich auf die Bereiche Back-Office, Middle-Office, Risikomanagement und Compliance. Es wird erwartet, dass der Großteil der Stellenstreichungen auf moderate Weise, etwa durch freiwillige Kündigungen oder vorzeitige Pensionierungen, erfolgen wird.
Betrachtet man bereits umgesetzte Maßnahmen, plant die niederländische ABN Amro, bis 2028 etwa 20 % ihrer Vollzeitmitarbeiter abzubauen. Die HSBC kündigte im März dieses Jahres den Abbau von rund 20.000 Stellen an und verwies dabei ausdrücklich auf den Ersatz durch KI. Auch der CEO der Société Générale, Slawomir Krupa, erklärte im März, dass es beim Kostensenken „keine Tabuzonen“ gebe. Analysten geben jedoch zu bedenken, dass die Arbeitsgesetze in vielen europäischen Ländern Hürden für Gewerkschaftsberatungen und Kollektivverhandlungen bei Massenentlassungen vorsehen, weshalb die tatsächliche Umsetzung langsamer als erwartet verlaufen könnte. Diese Prognose ist derzeit als Szenarioanalyse zu verstehen; ob sie in tatsächliche Kürzungen mündet, hängt weiterhin von der Abwägung der Bankvorstände zwischen dem Druck der Aktionäre und den politischen Kosten ab.