Die technische Methode, mit der Indiens Ministerium für Informationstechnologie (MeitY) Telegram sperrte, sorgt international für Kontroversen: Doug Madory, Director of Internet Analysis bei der Netzwerkanalysefirma Kentik, dokumentierte, dass der indische Telekommunikationsanbieter Reliance (AS18101) eine Entführung der BGP-Routen von Telegram durchführte – BGP (Border Gateway Protocol) ist das grundlegende Protokoll für die globale Steuerung des Internetverkehrs; nach der Entführung wurde der entsprechende Traffic in ein Black Hole geleitet. Dieser Schritt verursachte erhebliche Kollateralschäden und führte dazu, dass Nutzer unter anderem aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Telegram nicht mehr normal erreichen konnten. Telegram-CEO Pawel Durow verurteilte den Betreiber öffentlich für die „vorsätzliche Störung des globalen Zugriffs“ und rief Netzwerkbetreiber weltweit dazu auf, die besagten nicht autorisierten Routing-Ankündigungen nicht zu akzeptieren. Gleichzeitig enthüllte David Peterson, Geschäftsführer von Proton VPN, dass die stündlichen Anmeldungen aus Indien in der Nacht des Inkrafttretens der Sperre einen Anstieg von +150 % verzeichneten, da Millionen von Nutzern versuchten, die Einschränkungen über ein VPN zu umgehen. Telegram hat gegen die Sperrverfügung Klage beim Obersten Gerichtshof von Delhi eingereicht, um die Wiederherstellung des Dienstes zu erreichen.
Die indische Sperre hat einen breiteren Hintergrund: Daten der Surfshark-Forschung zufolge hat Indien seit 2015 mindestens 170 Maßnahmen zur Internetkontrolle umgesetzt – mehr als jedes andere Land der Welt. Allein im Juni 2026 verhängte die Regierung in den Bundesstaaten Uttarakhand, Jaipur und Haryana jeweils zeitweise Internetabschaltungen. Auch das Phänomen, dass technische Sperren zu einem Anstieg des VPN-Einsatzes führen, ist kein Einzelfall: Als Telegram zuvor im Irak gesperrt wurde, stieg die VPN-Nutzung um 1200 %; nach der teilweisen Wiederherstellung des Netzes im Iran schnellten die Proton-VPN-Anmeldungen um 6000 % in die Höhe. Die Sperrung soll bis zum 22. Juni andauern und ist zeitlich auf das Nachhol-Datum der NEET-Medizinzulassungsprüfung abgestimmt.