Trotz Sanktionen: Nordkoreas Wirtschaft boomt überraschend – BMW-Autohaus, Steinofenpizza und Taxi-Apps in Pjöngjang

Die Wall Street Journal berichtete am 7. Juni auf Grundlage von Berichten ausländischer Besucher, Satellitenbildern und Daten südkoreanischer Thinktanks, dass die nordkoreanische Wirtschaft derzeit ihr stärkstes Wachstum seit Jahren verzeichne – laut Analyse der Seoul Economic Daily das schnellste seit 2018. Die Haupttreiber sind drei Faktoren: Waffenverkäufe (Granaten, Raketen etc.) und Truppenentsendungen an Russland im Ukraine-Krieg, materielle und finanzielle Unterstützung aus China sowie die durch Sanktionslücken fortgesetzt ausgeweiteten Importe von Energie, Komponenten und Rohstoffen. Die Veränderungen in Pjöngjang sind sichtbar: BMW-Autohändler, Tierhandlungen und Internetcafés drängen sich auf den Straßen; Restaurants servieren Steinofenpizza und Hähnchenflügel und unterstützen QR-Code-Zahlungen; Taxi-Apps sind auf dem Handy nutzbar; Elektroroller tauchen auf; im vergangenen Jahr wurden in Pjöngjang über 10.000 neue Wohnungen gebaut – mehr als in Los Angeles oder Chicago im gleichen Zeitraum. Die nordkoreanische Elite wird als „wohlhabender denn je“ beschrieben. Der Artikel stellt fest, dass dieser Boom auf offizieller statistischer Ebene kaum messbar ist – Nordkorea übermittelt weder Daten an IWF und Weltbank, noch verfügt es über eine frei konvertierbare Währung; die Wirtschaft läuft hauptsächlich über graue Märkte, die in Renminbi oder US-Dollar abgerechnet werden – ein Marktprozess, der sich seit den 1990er Jahren vertieft hat. Der Zeitpunkt des Berichts fällt mit dem Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Nordkorea zusammen, seiner ersten Auslandsreise in diesem Jahr. Die WSJ analysiert, dass Nordkorea wachsende Kapazitäten aufbaut, während es sein Atom- und Raketenprogramm vorantreibt, mehr Ressourcen in Bau und Wirtschaftsverwaltung zu investieren – was darauf hindeutet, dass die strategische Eindämmungswirkung der Sanktionen auf das Kim-Regime weiter nachlässt.