BMW hat angekündigt, diesen Sommer im Stammwerk Leipzig offiziell zwei von Hexagon Robotics entwickelte humanoide Roboter namens Aeon zu stationieren – der erste produktive Einsatz von Humanoidrobotern in einer BMW Serie-Produktionslinie in Europa. Aeon ist etwa 1,65 m groß, wiegt 60 kg, erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 2,4 m/s, kann kurzzeitig 15 kg und dauerhaft rund 8 kg heben und verfügt über 21 Sensoren. Auffällig ist, dass der Roboter auf einem Radfahrwerk (statt auf zwei Beinen) läuft, was BMW in der flachen Fabrikumgebung für effizienter und stabiler hält. Die Akkulaufzeit von Aeon beträgt pro Einsatz nur etwa 3 Stunden, weit unter einer 8-Stunden-Schicht; daher hat Hexagon ein automatisches Batteriewechselsystem entwickelt, das in etwa 3 Minuten abgeschlossen ist. Michael Nikolaides, Leiter Produktionsdigitalisierung bei BMW, erklärte, der Hauptgrund für die Wahl humanoiden Roboter sei deren Fähigkeit, sich direkt in bestehende Produktionslinien einzufügen – die menschenähnliche Statur ermögliche ihnen den Zugang zu vorhandenen Arbeitsplätzen, ohne dass die Anlage großflächig umgebaut werden müsse. In der Anfangsphase werden sich die Aufgaben auf repetitive Tätigkeiten wie den Materialtransport und das Greifen und Platzieren in der Batteriemontage konzentrieren.
Im Bereich Training kombiniert BMW eine „Digital Twin“-Fabriksimulation auf Basis von Nvidia-Software mit Fernsteuerung, sodass die Roboter in einer virtuellen Umgebung durch Reinforcement Learning optimiert und dann in die reale Produktionsumgebung übertragen werden können. Arnaud Robert, Präsident von Hexagon, gab an, dass durch „Imitationslernen“ der Trainingszyklus von mehreren Monaten auf wenige Tage verkürzt werden könnte; das Endziel sei, dass der Roboter nach Beobachtung eines menschlichen Bedieners dessen Handlungen nachahmen kann – eine Fähigkeit, die möglicherweise innerhalb von ein bis zwei Jahren erreicht wird. Bereits zuvor hatte BMW im Werk Spartanburg (USA) den Roboter Figure 02 getestet, der an der Produktion von rund 30.000 X3-Modellen beteiligt war. Dabei stellte sich heraus, dass KI-gesteuerte humanoide Roboter bei der Bewältigung komplexer Störungen wie kleiner Bauteilverschiebungen deutlich besser abschnitten als herkömmliche Industrieroboterarme. Gartner-Vizepräsident und Analyst Bill Ray wies darauf hin, dass die sinkenden Roboterpreise es wirtschaftlicher machten, Roboter an bestehende Arbeitsabläufe anzupassen, anstatt Fabriken neu zu gestalten. Zugleich warnte er vor einer Überschätzung des Marktes für humanoide Roboter: „Viele Vorführungen wirken eher wie Kapitalmarktshows zur Bewertungserhöhung.“