Pieter Levels, Gründer von Remote OK, entfachte am 24. Mai erneut die Debatte um Japans Ambitionen im Bereich KI. Er argumentierte, das Land verfüge über kein eigenes Grundmodell, und sein Flaggschiff-Modell Rakuten AI 3.0 sei lediglich eine feinabgestimmte Variante des chinesischen DeepSeek. Diese Behauptung wurde bestätigt: Nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung von Rakuten AI 3.0 am 17. März – als „Japans größtes und leistungsstärkstes KI-Modell“ beworben und durch das GENIAC-Programm des japanischen Wirtschafts-, Handels- und Industrieministeriums (METI) unterstützt – öffneten Entwickler auf Hugging Face die Datei config.json und stellten fest, dass das Feld „model_type“ explizit „deepseek_v3“ angab. Die Parameteranzahl – ein 671-Milliarden-Parameter-Modell vom Typ Mixture-of-Experts mit 37 Milliarden aktiven Parametern pro Token – stimmt exakt mit DeepSeek V3 überein. In der Pressemitteilung von Rakuten hieß es zwar, das Modell nutze „das Beste aus der Open-Source-Community“, doch DeepSeek wurde nicht namentlich erwähnt.
Die Reaktionen blieben nicht aus: Japanische Nutzer kritisierten das Unternehmen dafür, staatlich subventionierte Rechenkapazitäten zu erhalten, ohne den Ursprungsmodell offenzulegen. Zudem stellte sich heraus, dass Rakuten zunächst die ursprüngliche MIT-Lizenzdatei aus seinem Hugging Face-Repository entfernt hatte – ein Verstoß gegen die Lizenzbedingungen für abgeleitete Werke –, ehe das Dokument nach öffentlichem Druck diskret wieder eingestellt wurde. Dieser Vorfall passt in ein größeres Muster: Wie zuvor bereits Nikkei Asia berichtete, basieren sechs der zehn führenden von japanischen Firmen entwickelten LLMs auf DeepSeek oder Alibabas Qwen. Zudem hatte Japans Digitalminister Beamte eindringlich vor der Nutzung von DeepSeek gewarnt – aus Sicherheitsgründen – wodurch die Tatsache, dass ein von METI finanziertes Modell darauf aufbaut, besonders ironisch wirkt.